Bagua Zhang – die offene Hand der Acht Trigramme

Geschichte des Bagua Zhang:

Bagua Zhang gilt neben dem Taijiquan und Xingyiquan, als einer der drei großen “inneren” Kampfkunststile Chinas.

Der Gründer Dong Haichuan (1797- 1882) lernte von seiner Jugend an verschiedene lokale Kampfkünste seiner Heimat Wen An in der Hebei Provinz und erreichte ein hohes kämpferisches Niveau.
Als er circa 40 Jahre alt war, beschloss er seine Heimat zu verlassen und auf der Suche nach herausragenden Kampfkunstmeistern das Land zu bereisen. Im Laufe dieser Reise begenete er einem Meister der taoistischen Chua Zhen Sekte, die u.a. eine Meditationsmethode des „Kreisgehens“ praktizierte.
Dong erlernte diese und andere taoistische Methoden und Theorien und kombinierte sie mit den Trainingsmethoden, die er in seiner Jugend gelernt hatte und schuf so seinen eigenen Stil. Zunächst nannte er diesen Stil „Zhuan Zhang“ (Drehende Hände), später änderte er den Namen in Bagua Zhang (offene Hand der Acht Trigramme).
Um das Jahr 1860 herum erreichte er die Hauptstadt Beijing, dort ging er an den kaiserlichen Hof und stieg aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten schnell vom Diener zum persönlichen Steuereintreiber des Prinzen Su auf. Seine Schüler Yin Fu wurde zum persönlichen Leibwächter der Kaiserinmutter ernannt.
Durch diese hohen Ehren bekannt geworden, ließen neue Schüler nicht lange auf sich warten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1882 war das Baguazhang in Beijing und der näheren Umgebung bereits sehr bekannt geworden und verbreitete sich von dort aus immer weiter.

Charakteristiken des Bagua Zhang:

Im Bagua Zhang verbinden sich auf wunderbare Weise die uralten taoistischen Methoden der Lebenspflege und Geisteskultivierung mit dem Wissen der traditionellen chinesischen Kampfkünste. Geprägt von der taoistischen Weltanschauung werden im Bagua Zhang Qualitäten wie Weichheit, Flexibilität, Nachgiebigkeit, Ganzheitlichkeit und Wandlungsfähigkeit angestrebt. Um dies zu erreichen müssen u.a. Körperwahrnehmung, (Propriozeption), Konzentrationsfähigkeit, Koordinationsfähigkeit und der gesamte Bewegungsapparat (besonders die Sehnen, Bänder und Faszien) in hohem Maße entwickelt werden. Die positiven Nebeneffekte dieser Entwicklung zeigen sich in allen Lebensbereichen.

Bagua Zhang hat seine Wurzeln in den nordchinesischen Methoden des Kampfes, es werden Schläge, Tritte, Würfe und Hebel-/Bruchtechniken verwendet. Bagua Zhang betont die Strategie des stetigen Wandels, der Nachgiebigkeit und verwendet meist runde Bewegungen und ausweichenden Fußarbeit. Es werden häufig Körperdrehungen und –verdrehungen genutzt. Außerdem nimmt die Arbeit mit dem sogenannten Yi (Vorstellungskraft, Konzentration) eine wichtige Rolle in unserer Richtung des Bagua Zhang ein. Die Verbindung von Geist und Körper wird auf diese Weise entwickelt und erfahrbar.

Natürlich wird wie in allen traditionellen chinesischen Kampfkünsten auch im Bagua Zhang der Umgang mit Waffen erlernt. Historisch gesehen lag in diesem Bereich, im Gegensatz zur heutigen Zeit, sogar der Schwerpunkt der Kampfkunstausbildung, da unbewaffnete Auseinandersetzungen in alten Zeiten eher die Ausnahme darstellten. Im Bagua Zhang wird die Anwendung von Säbel, Speer, Schwert und den kurzen Mondsichelmessern (Lùjiǎodāo, engl. auch Deerhorn Knives) unterrichtet.

Übungsmethoden:

Zentrale Übungsmethode ist das Kreisgehen. Hierbei geht der Übende, wie der Name schon verrät, auf einer Kreisbahn von variabler Länge mit wechselnden Geschwindigkeiten, Richtungen und verschieden hohen oder tiefen Positionen um ein Zentrum herum und übt bestimmte statische Haltungen (Ba Mu Zhang, die acht Mutterhände) und kurze Bewegungssequenzen (Formen, im Bagua Zhang Handwechsel genannt). Dabei werden anhand der Kombination von Bewegungen/Haltungen mit entsprechenden Vorstellungen/Ideen, die Voraussetzungen für das Erlernen der Kampfanwendungen geschaffen.
Zusätzlich werden Bewegungen auf der geraden Linie, das sogenannte “Stehen wie ein Baum” (Zhan Zhuang, eine sehr effektive Qigong Methode) und diverse ergänzende Übungen trainiert.

Partnerübungen dienen dem weiteren Erlernen von Kampfanwendungen und erschaffen ein weitgehend stressfreies Lernumfeld um die eigene Bewegung gegen dosierten Widerstand erproben zu können.
Sehr früh wird auch mit dem Erlernen des Tuishou (schiebende Hände) begonnen. Diese Trainingsmethode ist neben dem Kreisgehen die wichtigste Übungsform und erlaubt es Kampfanwendungen gegen den Widerstand des Partners bei geringem Verletzungsrisiko zu trainieren. Das Tuishou kann zu unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt werden und wird mit den verschiedensten Zielsetzungen geübt. Der Schüler kann sich im Tuishou langsam an Kontakt, Widerstand und Zweikampf gewöhnen, ohne allzu große Verletzungsrisiken eingehen zu müssen. Die Intensität kann hierbei progressiv gesteigert werden.
Für weiter fortgeschrittene Schüler, die über eine gute Basis im Tuishou verfügen, gibt es die Möglichkeit ihre kämpferischen Fähigkeiten im Rahmen des Dashou (schlagende Hände) und Sanshou (Freikampf) weiter zu entwickeln.

In Roetgen üben wir das Bagua Zhang nach Zhang Zhao Dong, wie es unserem Lehrer Paul Rogers von seinem Lehrer vermittelt wurde.
Er erlernte diese Kampfkunst im Ursprungsland China und lebte dort über ein Jahrzehnt. Er gilt international als einer der führenden westlichen Experten im Bereich der traditionellen “inneren” Kampfkünste Chinas.
Ich selbst bin nun seit sieben Jahren sein persönlicher Schüler und schätze mich glücklich von ihm in das tiefe Wissen dieser Kampfkünste eingeweiht zu werden.
Paul besucht mehrere Male im Jahr seine deutschen Schüler und gibt Lehrgänge in ganz Deutschland.

Informationen zu Trainingszeiten und Trainingsort hier.

Oliver Gerets

Trainer

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